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Promenade in Jalta und andere Städtebilder.
von Karl Schlögel

In einem Essay, der vor Enthusiasmus geradezu vibriert, preist Andreas Breitensetin den Autor als eine Art Märchenprinzen: Niemand habe wie Schlögel die - zumindest für den Westen - versunkene Geschichte und Realität Mittel- und Osteuropas "wachgeküsst". "Schlögel ist ein Ostverführer... Glücklich mischen sich in seinen Texten Essay und Reportage, Theorie und Anschauung, Enzyklopädie und Detailbeobachtung". Breitenstein schildert, mit welchem Aufwand und aus welchen Quellen Schlögel sein Material beibringt: Er begnügt sich nicht mit Reisen, er liest auch alte Telefonbücher oder Vorlesungsverzeichnisse. "Grandios" findet er dabei auch, wie Schlögel in dem Essay "Unmixing Europe - Kosovo war überall" seine zentrale These entfaltet: Demnach war der Krieg um Kosovo nur die letzte Station in einem säkularen und tragischen Prozess der "Entmischung" Europas, der seit dem Ersten Weltkrieg andauert. Breitensetein betont aber, dass Schlögel nicht einfach ein Elegiker der unwiederbringlich verlorenen Multikulturalität Osteuropas sei, sondern im Gegenteil auch ein Visionär, der in den archaischen Basars der russischen Städte die Zeichen einer heraufziehenden europäischen Zivilgesellschaft erkennt. Eine kritische Bemerkung schleicht sich nur bei Schlögels Schilderung der Stalinschen Bau- und Industrialisierungstätigkeit ein, der nach Breitenstein "etwas Apologetisches anhaftet".

 
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Begegnungen in Mittel- und Osteuropa. Junge deutschsprachige Autoren schildern ihre Eindrücke.
Zeitgeschichte

"Vor uns fährt ein Fritze. Du gehörst zu den Helmuty." Der eigentliche Sinn des Reisens besteht ja nicht nur darin, dass man dabei Neues sieht, riecht, erlebt. Mindestens genauso wichtig ist, dass man irgendwann beginnt, das vermeintlich Vertraute mit Distanz und neuen Augen zu betrachten: Das eigene Land nämlich, die eigene Ordnung, die eigenen Gewissheiten. Die Entdeckung, dass die Polen alle Autofahrer mit deutschem Nummernschild nach "Fritze" (Aussiedler) und "Helmuty" (andere Deutsche) sortieren, zählt hierbei sicherlich noch zu den geringeren Erschütterungen.
Begegnungen in Mittel- und Osteuropa -- hinter diesem eher biederen Titel versteckt sich ein sehr lebendiges und bisweilen nachgerade lustiges Buch. In über 25 kurzen Texten schildern junge Leute, die 1998/99 als Lektoren der Robert-Bosch-Stiftung an Universitäten in verschiedenen ehemals sozialistischen Ländern waren, was sie zwischen ihren osteuropäischen Kollegen, deutscher Vergangenheit, dem allgegenwärtigen Vodka, den Geschmacks-Relikten aus kommunistischer Zeit und dem Bemühen um Modernisierung erlebt haben.

 
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Mein Leben unter zwei Himmeln. Eine Lebensgeschichte zwischen Shanghai und Hamburg.
von Y. C. Kuan

Der Himmel über dem Flughafen Frankfurt: 1969 begann hier das zweite Leben des Yu Chien Kuan. Aber auch dieser Anfang gestaltete sich nicht leicht. Die neue Heimat, die er nur aus Erzählungen über die Nazizeit kannte, war ihm unheimlich, zudem sprach der Chinese kein Wort Deutsch. Naiv und bestürzend zugleich, schildert Kuan, damals gerade einer eineinhalbjährigen so genannten Schutzhaft im berüchtigten Kairoer Gefängnis entronnen, seine Furcht vor der vermeintlichen Todesspritze durch deutsche Behörden, die sich jedoch lediglich als Impfschutzmaßnahme heraustellte. Zu diesem Zeitpunkt konnte den vom Schicksal Verfolgten jedoch kaum mehr etwas erschüttern.
Der 1931 in Kanton geborene Kuan breitet ein ungeheuerliches, von Flucht und Vertreibung geprägtes Leben vor uns aus. Kurz nach seiner Geburt wurde die liberale, an westlichen Wertewelten orientierte Familie aufgrund der japanischen Besetzung nach Peking vertrieben. Kuans Vater, wegen antijapanischer Umtriebe seines Lehramts an der Kantoner Universität enthoben, war untergetaucht, der Mutter oblag fortan als Lehrerin die Versorgung ihrer drei Kinder. Von einem Dach in Shanghai aus erlebt der Sechsjährige 1937 den Einmarsch der Japaner (eine Szene, die wie einiges in Kuans Lebensbericht, an Spielbergs Reich der Sonne erinnert).

 
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Bioterror. Tod aus dem Labor.
von Ken Alibek, Stephen Handelman

Dr. Ken Alibek, Jahrgang 1950, promovierte zu Sowjet-Zeiten in Mikrobiologie über die Forschung und Entwickung biologischer Tularämie- und Pestkampfstoffe sowie in Biotechnologie über die industrielle Produktion von Milzbranderregern. 1975 wurde er Mitarbeiter von "Biopreparat". Dort hatte er von 1987 bis 1992 den Posten des Ersten Stellvertretenden Direktors inne. Nachdem er sich 1992 in die USA abgesetzt hatte, beriet er verschiedene US-Dienste und widmete sich Fragen der Verteidigung gegen...

 
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Der Kanzler wohnt im Swimmingpool oder Wie Politik gemacht wird.
von Doris Schröder-Köpf, Ingke Brodersen

Ein verlegener Rezensent lobt zunächst einmal den Autor. In diesem Fall eine prominente Herausgeberin: Doris Schröder-Köpf. Bemerkenswerte Frau. Höhnische Kommentare der ersten Zeit sind verstummt. Unter den Gattinnen sozialdemokratischer Bundeskanzler erinnert sie mehr an Ruth Brandt als an Loki Schmidt: selbstständig, klug, humorvoll, hübsch.
Dann lobt der Rezensent die gute Absicht. Ja, ja, schon wichtig zu wissen, warum es Bundestag und Bundesrat gibt und wozu man eine Opposition braucht. Sodann loben wir gern all die prominenten Beiträger, die sich dieser Mühe unterzogen haben. Unter anderem Thommi, den Gottschalk, Claus, den Professor Leggewie, Wolf von Lojewski, Maybrit Illner, Matthias Beltz. Ulrich Wickert natürlich, aber der versteht sich von selbst.
Zuletzt loben wir noch -- ganz ohne Ironie -- den Pappband: Da hat man etwas in der Hand, das liegt gut, steht vernünftig und geht nicht so schnell kaputt.
Zum Inhalt: 28 Beiträge, überzeugt hat mich davon einer: Die Journalistin Regina Mönch erzählt Geschichten. Von ein paar diskutierfreudigen Schülern 1988 in Ostberlin, wie das Neue Forum gegründet wurde und wie die Mauer aufging. Das genau ist es (und nur das), was Kinder von uns hören wollen: Wie dieses war und jenes, was Vater und Mutter dabei getan und gedacht haben. Schluss, mehr nicht. Aber immer wieder und noch einmal. Den Rest überlassen wir besser den Pädagogen, die haben das studiert und sind es gewohnt, dass keiner hinhört.